15. Mai 2026
Valie Export, die Pionierin der Performance- und Medienkunst, verstarb am 14. Mai 2026 in Wien.
„Allzu viel hat sich nicht geändert in der Welt
“, das sagte Valie Export bis
zuletzt wiederholt auf Fragen nach der Wirksamkeit ihrer feministischen Aktionskunst von den 1960er-Jahren bis heute, nach
der Rolle der Frauen in der Gesellschaft und den Rahmenbedingungen für Künstlerinnen. Mit unnachahmlichem Mut und drastischen
Kunstmitteln setzte Valie Export ihre Identität als Künstlerin in eine kritische Beziehung zur Gesellschaft.
„Diese
harte Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen, der Mut zur Radikalität, die Verwendung neuer Medien in der Kunst
ist es, die viele Studierende und Lehrende an der Angewandten seit Jahrzehnten inspiriert. Die Angewandte trauert um Valie
Export als eine Ikone feministischer Medienkunst – und als einfühlsamen Menschen“, so Ulrike Kuch, Rektorin der Universität
für angewandte Kunst Wien.
Ihre Identität hatte sich Valie Export selbst geschaffen, als sie 1967 ihre bürgerlichen
Namen ablegte und sich, in Anlehnung an die damals beliebte Zigarettenmarke Smart Export, als "VALIE EXPORT" neu erfand. Zu
diesem Zeitpunkt hatte die 1940 in Linz geborene Künstlerin nach einer frühen Scheidung und einem Studium in Wien begonnen,
im und mit Film zu arbeiten - ein Medium, das sie bald im „Expanded Cinema“ auf den Kopf stellte und mit ihrem ikonischen
Tapp- und Tastkino einer neuen Bestimmung zuführte.
Ob mit Peter Weibel in der Wiener Innenstadt
oder mit der „Aktionshose“ im Münchener Kino unterwegs, im Zentrum von Valie Exports Kunst standen stets ihr eigener Körper
und die Auflehnung gegen gesellschaftliche Zwänge. „Wir sind in der Gesellschaft von Regeln und Normen beherrscht, die uns
zu einem Verhalten zwingen, das nicht freiwillig und nicht individuell ist. Die Gesellschaft normiert uns zum Folgen – wie
ein gebändigtes Tier.
“ Valie Export setzte solchen Normen die radikale Entgrenzung
der Kunst entgegen und die Suche nach Utopien. Aus dem Bedürfnis, ohne vorgeschriebene Regeln zu arbeiten und sich selbst
einen neuen Rahmen zu setzen, entstanden ab den späten 1960er-Jahren wegweisende Arbeiten der feministischen Aktionskunst.
Ihre frühen Arbeiten
Aus der Mappe der Hundigkeit und
Aktionshose: Genitalpanik machten Valie Export zu
einer Pionierin der Performancekunst. Arbeiten, die im Umfeld, aber dennoch mit feministischer Distanz zum Wiener Aktionismus
entstanden sind.
Valie Export hat als feministische Künstlerin eines der bedeutendsten Werke der Nachkriegszeit
geschaffen und gilt als eine der frühesten Performance-Künstlerinnen Europas. Seit 1968 hat sie an zahlreichen internationalen
Ausstellungen teilgenommen, 1980 bespielte sie, geteilt mit Maria Lassnig, den österreichischen Pavillon der Biennale von
Venedig, 2009 lud sie ebendort als Kommissärin Künstlerinnen ein, den Österreich-Pavillon mit multimedialen Arbeiten zu gestalten.
Sie nahm an der documenta 6 und 12 (1977 und 2007) teil, an der KOCHI Biennale 2018 und der MOSKAU Biennale (2007 und 2019).
Im Jahr 2000 wurde sie mit dem Oskar-Kokoschka-Preis ausgezeichnet.
2015 verkaufte die Künstlerin ihren Vorlass
an die Stadt Linz, die gemeinsam mit dem Lentos-Museum und der Kunstuniversität Linz das 2017 eröffnete VALIE EXPORT Center
als Internationales Forschungszentrum für Medien- und Performancekunst einrichtete. Valie Export lehrte u.a. in den USA sowie
in Berlin und Köln. An der Universität für angewandte Kunst Wien hielt die Künstlerin mehrere Gastvorträge. Nur wenige Wochen
vor ihrem Tod sprach sie mit der Angewandten im Rahmen einer Videodokumentation für das an der Universität befindliche Archiv
des Österreich-Pavillons über ihre Arbeit für die Biennale von Venedig.
(Isabella Pohl)
„Valie Exports weniger bekannte fotografische Arbeiten der 1970er-Jahren erweisen sich als präzise medienkritische
Untersuchungen der materiellen und apparativen Bedingungen von Bildproduktion zwischen Analogem und Digitalem. Damit waren
und sind sie richtungsweisend für die Entwicklung der Medienkunst insgesamt.“
Clemens Apprich,
Vizerektor für Wissenschaft, Forschung und Digitalität der Angewandten sowie Leiter des Weibel Forschungsinstituts für digitale
Kulturen.
„Mit Valie Export verliert Österreich eine der bedeutendsten Stimmen der feministischen Performance
und Medienkunst. Ihr mutiges künstlerisches Werk wird weit über ihre Zeit hinauswirken, denn ihre kompromisslose Arbeit prägte
Generationen von Künstler*innen weltweit. Unvergessen werden auch ihre Beiträge zur Biennale di Venezia bleiben: Als radikale
Stimme bespielte sie mit dem
Geburtenbett 1980 gemeinsam mit Maria Lassnig den Österreich-Pavillon. 2009 stellte
sie diesen abermals als Ko-Komissärin ins Zeichen des kritischen „Tabu-Bruchs.“ Gemeinsam mit Laura Ettel konnten wir mit
Valie Export noch am 28. April 2026 in ihrem Atelier ein Gespräch über ihre Beteiligungen an der Venedig Biennale führen.
Die zentrale Arbeit, das
Geburtenbett, für den Österreich Pavillon in Venedig 1980 hat sie mit Gero Schwanberg an
der Angewandten am Oskar Kokoschka Platz produziert. Noch am 9. Mai dieses Jahres haben wir am Angewandte-Panel zum Thema
„Performing the Archive - The Future of
Artistic Archives“ im Rahmen der Biennale-Sessions in Venedig ausgiebig über die Rolle von Valie Export gesprochen. Valie
Export hatte uns noch viel Erfolg für das Panel gewünscht und sich gefreut, dass die Arbeit am Biennale Archiv Austria nun
wieder aufgenommen wird und auch mit Oral History Geschichten erweitert werden soll. Wir sind sehr dankbar, dass das Gespräch
noch möglich war.“
Beatrice Jaschke, Leiterin /ecm-Studienprogramm, Universität für angewandte
Kunst Wien