Eine Veranstaltung unter Beteiligung der Abteilung Expanded
Museum Studies
Wie lässt sich Klassismus innerhalb wissenschaftlicher Strukturen adressieren, verhandeln und
bearbeiten? Das Präsenztreffen der AG Erste Generation Kunstgeschichte an der Universität für angewandte Kunst Wien bringt
Interessent*innen und Multiplikator*innen zusammen, um einen klassismuskritischen Austausch anzuregen und Gegenstrategien
im Feld der Kunst(geschichte) zu entwickeln.
So entsteht ein Raum, in dem „Klassenfragen”
diskutiert und strukturell adressiert werden. Im Zentrum der Veranstaltungen steht nicht nur die kritische Analyse des Feldes
der Kunst(geschichte), sondern auch die Entwicklung von Gegenstrategien.
Programm
Donnerstag, 15. Oktober 2026, 18:00 Uhr
Gastvortrag – Dr. Jens Kastner: Bildende Kunst als Klassenkunst
Universität für angewandte Kunst Wien, Seminarraum 21, Vordere Zollamtsstraße 7, 1030 Wien
Dass das „schönheitsgenussfähige
Auge“ für die Rezeption von Kunst erst gesellschaftlich produziert werden muss und weder anthropologische Konstante noch ubiquitär
über den sozialen Raum verteilt ist, hatte bereits Karl Marx betont. Es gehört seitdem zu den Grundannahmen der Kunstsoziologie,
dass das Kunstpublikum nicht im Singular zu denken ist. In einer von sozialer Ungleichheit geprägten Gesellschaft ist auch
die Kunst in ihren Produktions- und Gebrauchsweisen in Klassenverhältnisse eingebunden. Diesem Tatbestand ist allerdings –
in den Kunstwissenschaften wie auch in der Kunstproduktion selbst – nicht immer große Aufmerksamkeit gewidmet worden.
Der
Vortrag geht dem Verhältnis von Kunst und Klasse nach. Dazu wird zunächst kurz auf den Klassenbegriff (I) eingegangen, um
über den Klassencharakter der bildenden Kunst (II) auf die Ausblendung der Klassen aus der Kunst zu sprechen zu kommen (III).
Daran anschließend wird die Sichtbarmachung von Klasse zunächst in der Kunstsoziologie (IV) und schließlich in den Kunstpraktiken
selbst diskutiert (V).
Jens Kastner, Priv.-Doz. Dr. phil. habil., ist Senior Lecturer an der Akademie
der bildenden Künste Wien und Privatdozent an der Leuphana Universität Lüneburg. Zuletzt erschienen von ihm Klassifikation
und Kampf. Zur Aktualität der Kultursoziologie Pierre Bourdieus (Wien, Turia + Kant 2024), Balzac-Lektüren. Studien
zur Kultursoziologie (Wien, Turia + Kant 2024) und Internationalismus. Kleine Geschichte einer großen Idee (Münster,
Unrast Verlag 2025). jenspetzkastner.de
Freitag, 16. Oktober 2026,
10:30–12:00 Uhr
Studio Visit – Atelierbesuch bei Francisco Valenca Vaz
GOMO Atelier, Volkertplatz
8, 1020 Wien
Freitag, 16. Oktober 2026, 17:00–19:00 Uhr
Workshop – AG Erste Generation: Klassenfragen
in Kunst und Kultur – Klassismus erkennen, benennen, überwinden
Universität für angewandte Kunst Wien, FLUX
1, Vordere Zollamtsstraße 7, 1030 Wien
Wer braucht was, um sich im Museum, in einer Kunstgalerie oder im Studium wohlzufühlen
und wie selbstverständlich Platz einzunehmen? Innerhalb des Workshops stellen wir gemeinsam Fragen nach Zugängen und Ausschlüssen
im Kunst- und Kulturbetrieb und danach, wie diese gesichert beziehungsweise verhindert werden können.
Die
Teilnahme an allen Veranstaltungen ist frei.
Anmeldung erbeten per E-Mail an Erste-Generation@ulmer-verein.de
Über die AG Erste Generation Kunstgeschichte
Die AG Erste Generation Kunstgeschichte
ist eine seit 2022 existierende Arbeitsgruppe des Ulmer Verein, die für klassistische Strukturen in der Kunstgeschichte sensibilisiert
und Klasse zum Thema macht. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Frage, wie klassistische Strukturen den Zugang zu
Forschung und Lehre, deren Methoden und Themen sowie die Sichtbarkeit bestimmter Perspektiven prägen. Die AG widmet sich den
Leerstellen, die Klassismus und Bildungsungleichheit im Fach bislang markieren, und beteiligt sich an den Diskursen um eine
plurale kunstwissenschaftliche Forschung und Lehre.